Abenteuer Südafrika

#startchasingtheworld

Zwischen Sprachlosigkeit und dem Gefühl völliger Freiheit. Einer unbeschreiblichen Natur, wilden Tieren, farbenfroher Vegetation, charismatischen Menschen, multikulturellen Städten, mystischer Atmosphäre, Windböen und pulsierenden Plätzen, Häusern, Restaurants und Cafés. Vorbei an schroffen, steilen Küsten, Halbwüsten, kleinen Orten und Straßenkünstlern. Hupen, Grillengezirpe, Löwengebrüll. Zwischen kulinarischen Köstlichkeiten und salzigen Lippen. Am Ende der Welt. Im Land vieler Gegensätze, gnadenloser Armut. Was wir gefunden haben ist ein authentisches Land, das genau wegen der Ecken und Kanten überzeugt. (Scroll down for the English version)

Hallo Johannesburg

Wir sind angekommen. Zwischen Nobelviertel und Elendsvorort, zwischen Geschichtsbewusstsein und Partyvergessenheit: Johannesburg ist hässlich. Keine Frage. Johannesburg ist großartig. Auch das wird nicht bestreiten, wer die nördlich gelegene Finanzhauptstadt Südafrikas besser kennengelernt hat. Joburg – oder Jozi, wie die Johannesburger sagen – ist das neue, authentische Südafrika: Nirgends ist das Scheitern und das Gelingen einer afrikanischen Industrienation besser zu beobachten als hier.

Das Scheitern, weil die Probleme nicht zu übersehen sind: die Kluft zwischen arm und reich, die Gewalt, die Verslumung ganzer Stadtteile. Das Gelingen, weil es wohl keinen zweiten Ort in Südafrika gibt, in dem so intensiv über die Zukunft des Landes und seiner kulturellen Gruppen diskutiert wird. Weil nur hier eine schwarze Mittelschicht entstanden ist, die selbstverständlich eindringt in die ehemals weißen Domänen wie Politik, Wirtschaft und die aufstrebende Clubszene.

Der Geruch von Rauch schwebt in der Luft, die Sonne knallt auf die Blechdächer und Straßen. Stickige Luft. Unsere Augen auf die Gassen voller Menschen, Müll und Verkehr gerichtet, konnte einzig die verschlossene Tür unseres Vans ein gewisses Gefühl von Sicherheit geben. Einmal motorisiert, begeben wir uns in Johannesburg auf Entdeckungstour und schlängeln uns durch das Gewühl aus hupenden Minibustaxis und Pendlern, den Schluchten der grauen Betongebäude und dem Getümmel tausender Straßenverkäufer.



Einmal Faszination zum mitnehmen, bitte.

Blyde River Canyon und Kruger Safari

Wenige hundert Kilometer weiter ein ganz anderes Bild. Viereinhalb Autostunden von Johannesburg entfernt, in Graskop, beginnt eine Strecke voller atemberaubender Aussichtspunkte. God’s Window – am Rande der Drakensberge – zeigt uns unweit vom kleinen Örtchen die Ebene des Lowveld. Unzählige Wasserfälle kreuzen unseren Weg. Das Highlight aber wartet am Ende der Tour. Gänsehaut. Lauter Herzschlag. Wir sind am Blyde River Canyon – ein Meer bizarrer, bewachsener Berge, durch die sich weit unten der Fluss schlängelt.

Wir springen über die Felsen, klettern zu den höchsten Punkten am Rand des Abgrunds. In unserer Nase der Duft von Freiheit. Südafrikas berühmteste Schlucht und zugleich der drittgrößte Canyon der Welt liegt in der Provinz Mpumalanga. Genau in dem gleichen Gebiet wie das eineinhalb Stunden entfernte Kapama Private Game Reserve, in der Nähe des Kruger National Park.

Wenn sie sich nicht gerade vor der afrikanischen Sonne verstecken, kann man dort die Big Five bestaunen, einen Sunset Drive unternehmen und den Tag bei einem Bush Braai – dem afrikanischen BBQ – mit den Geräuschen des Busches enden lassen, in einheimischen Dörfern wie Shangana selbstgebrautes Bier trinken oder sich mit afrikanischen Homies am Lagerfeuer wärmen.



Ahoi Kapstadt

Vorbei an schroffen, steilen Küsten, Halbwüsten, kleinen Orten mit Kolonial-Charme folgt in knapp 1.600 Kilometern das nächste Highlight. Mother City – die Stadt der Städte in Südafrika. In Anbetracht seiner Geschichte kann es kaum verwundern, dass Kapstadt über Jahrhunderte zu einem multikulturellen Ort geworden ist.

Wer einen hippen Eindruck Südafrikas erhaschen will, besucht Woodstock. Ein Arbeiterviertel, das wohl in seinem derzeitigen Wandel und seiner Atmosphäre das Kapstädter Pendant zu Bushwick, Belleville oder Kreuzberg sein könnte. Zwischen den vielen Galerien, Start-up-Büros und Restaurants befindet sich die Old Biscuit Mill, eine alte Keksfabrik. Ausstellungen, Live-Konzerte, heißer Scheiß – hier ist jeden Tag etwas los.

Kapstadt ist zum Inbegriff der kreativen Szene geworden. Auch am Abend. Wenn die Sonne untergegangen ist, bekommt die Long Street in der Stadtmitte ein unerwartetes, mitreißendes Eigenleben. Verandarestaurants öffnen ihre Fenster und Türen, Einheimische säumen die Straße und dann lässt sich das erspüren, was man gemeinhin als pulsierend beschreibt.

Doch kaum ein Ort Südafrikas dürfte immer noch so von der Apartheid gezeichnet sein wie Kapstadt. 20 Jahre nachdem Nelson Mandela über das menschenverachtende System gesiegt hat, residiert unter dem Tafelberg das alte Geld, hinter hohen Mauern und Stadtvillen mit Blick auf traumhafte weiße Sandstrände oder edle Weingüter. Auch die Innenstadt, das City Bowl, gehört der weißen Oberschicht. Der Großteil der etwa 3,7 Millionen Bewohner Kapstadts dagegen ist schwarz und lebt in Townships. Die einzelnen Siedlungen unterscheiden sich stark, doch wirklich wohnen möchte man in keiner. Es gibt auch hier so gut wie keinen öffentlichen Nahverkehr und oft auch keine richtige Kanalisation. Ganz zu schweigen von schönen Plätzen, beeindruckenden Bauten, urbanen Anziehungspunkten und vor allem: wieder einmal einer vernünftigen Verbindung zu den anderen Stadtteilen. Das System, das schon so lange als überwunden gilt, hat sich fest einbetoniert. In Kapstadt trennen Straßen, Zuglinien und Brücken, anstatt zu verbinden.

Zwischen unbeschreiblicher Natur, multikulturellen Städten und mystischer Atmosphäre. Vieler Gegensätze, gnadenloser Armut. Ein authentisches Land, das genau wegen der Ecken und Kanten überzeugt: 2 Wochen in Südafrika.


Bis Ende letzten Jahres durfte sich Kapstadt Designhauptstadt nennen. Ein Titel, den die weltweite Vereinigung von Industriedesignern alle zwei Jahre an Metropolen vergibt, die zeigen wollen, dass Design auch etwas anderes sein kann als schön Geformtes – dass es tatsächlich dabei helfen kann, gesellschaftliche, soziale und ökologische Veränderungen voranzutreiben. Die südafrikanische Metropole will mit Design die eigenen Grenzlinien überwinden, Stadtviertel aus der Verslumung befreien. Der Ansatz ist in Form von Street Art-Festivals und der Förderung von Nachwuchskünstlern – egal aus welcher Schicht sie stammen – bereits vorhanden.

An Inspiration zur künstlerischen Perfektion fehlt es in jeden Fall nicht: über die Chapmans Peak erreicht man innerhalb einer dreiviertel Stunde das Cape Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas. Unbeschreibliche Weiten, der Wind. Es ist unmöglich diesem mystischen Ort nicht zu verfallen. Salzige Lippen von dem Nebel der kalten Wassermassen des Atlantiks und den warmen Wogen des Indischen Ozeans. Wir sind wahrhaftig hier – am anderen Ende der Welt. Besser bekannt als das Kap der guten Hoffnung. Die Hoffnung für ein Land der Gegensätze, der Armut, der Ausbeutung. Was wir gefunden haben ist ein authentisches Land, das genau wegen der Ecken und Kanten überzeugt. Bheka wena ngokushesha Südafrika!



Credits
Directed, produced and edited by Marko Roth
Filmed by Jonas Hofmann und Marko Roth
Photos by Jonas Hofmann, Marko Roth und mir

Unter dem Hashtag #startchasingtheworld könnt ihr Marko Roths Reisen um die Welt auf allen Kanälen verfolgen. Weitere Bilder sind hier zu finden.

Adventure South Africa

We have arrived. Between noble and poverty-stricken neighborhoods, between historical consciousness and long nights of partying: Johannesburg is ugly. That’s not a question. Johannesburg is magnificent! Nobody who knows the finance city in the north of South Africa would dispute that. Joburg – or Jozi, as the city is known to locals, represents an authentic South African culture. No where else is the failure and success of an African industrial nation more observed than here.


Failure, because it is impossible to ignore the gap between rich and poor, the violence, the expansion of slums in entire metropolitan areas. Success, because in no other place of South Africa they discuss the future of the country and its cultural groups more openly. Only here we can find qualified black middle class with formerly tasks from the whites in politics, economy and the emerging club scene between the bustle of honking minivans and commuters, the deep gorges of concrete buildings and the turmoil of several thousand street vendors. The smell of fume is hovering in the air while the sun is blaring down onto the tin roofs. Our eyes are directed towards the narrow streets that are filled with people, trash and traffic – only the locked door in front of us gave a certain sense of security.

Superbness for take away, please.

A few hundred kilometers away from Jozi, there is a completely different picture of breathtaking scenic viewpoints. One of them, known as the God’s Window – located at the edge of the Drakens Mountains – where nature overwhelms us with countless waterfalls and stunning scenery that passes our way. Goose bumps. Our hearts beat faster. By now, we have reached the Blyde River Canyon – on one side a sea of bizarre, abundant mountains with wild vegetation, on the other side the river Blyde that runs through it in zigzagging manner.

We jump above the rocks, we climb up toward the highest cliff point. Suddenly you have the scent of freedom in your nose – we yell into the valley and we’re stunned by the third largest canyon in the world. South Africa’s most famous gorge is located in the province of Mpumalanga. In the same area we’re riding elephants. Feeling the large soft ears and warm skin from the giant gentles.

Our next goal was only about an hour and a half from our current location: the Kapama Private Game Reserve – at the edge of the Kruger National Park.
When they aren’t hiding from the scorching African sun, you will find the Big Five (lion, elephant, buffalo, rhinoceros and leopard) eating or relaxing. Then you can drive onto the sunset and finish your day listening to the sounds of the bush with a Bush Braai – the African BBQ. In cultural villages like Shangana we drank homebrewed beer, sat with African homies to warm up next to the bonfire.

Ahoy Cape Town!
Past some steep and rough mountains, semi-deserts, small colonial charm places, the next highlight follows after 1.600 kilometers. Mother City – the city of all cities in South Africa. Considering it’s long history it can hardly be surprising that over the centuries Cape Town became a multicultural place.

If you want to discover how young, hip South Africans live then you should visit Woodstock. A former working-class district with a special atmosphere that makes it Cape Town’s counterpart to Bushwick (New York City) or Kreuzberg (Berlin). Between many galleries, start-up offices and restaurants you find the Old Biscuit Mill. Exhibitions, live concerts, holy shit – there is always something special happening.

Cape Town has become the enthusiastic scene of creative people and areas. As soon as the sun sets, the Long Street in the central city becomes an unexpected, exciting, independent existence. Veranda restaurants open their windows and doors, locals come onto the streets. The city remains alive and vibrant.

Most of the 3.7 million Cape Townians are black and live in townships. The settlements differ widely – but still no one wants to live in any of them. You can’t find public transport and rarely an operating sewerage system. Places to be, impressive buildings or urban attractions are being left out. Once again they don’t have a direct connection to the other city areas. They are stuck with a system that is supposed to be considered to be over. Cape Town’s streets, train lines and bridges separate instead of connect all city-dwellers.

Up until last year Cape Town was the world capital of design. A team of industrial designers is searching every two years for a metropolis, which proves that design doesn’t have to be perfectly beautiful. That design can actually help to develop societal, democratic, ecological and social change. The South African metropolis wants to cross borders with design. They want to get all areas and people permanently out of poverty. An approach including street art festivals and support for the next-generation artists from all strata of civil society already exists.

What’s definitely not missing are inspirational places for artistic work. In three quarters of an hour you drive above the Chapmans Peak to the Cape Agulhas. The most southern point of the African continent. It’s the incredible expanses, the wind that clears your mind. It is impossible not to enjoy this mystical atmosphere with the set of rocks, disappearing slowly in salty wafts of mist. We are here – at the other side of the world. Right here the cold masses of the Atlantic are catching with the warm billows of the Indian Ocean. This place is better known as Cape of Good Hope. The hope of contrasts, poverty, exploitation. What we have found is an authentic country that is likeable and convinced us precisely with its rough edges. Bheka wena ngokushesha South Africa (See you South Africa)!