0
KM zu Fuß
0
Höhenmeter
0
Kg auf dem Rücken
0
Tage Wildnis


Backpacking Norwegen

2 Wochen Wildnis

Welche Reiseutensilien gehören in einen Rucksack, wenn man zwei Wochen „into the wild“ – ohne ein Hauch von Zivilisation – unterwegs ist? Mein neustes Backpacker-Ziel war Norwegen. Quer durch die Hardangervidda – der größte Nationalpark – von Süd nach Nord. Die Größe wird einem erst so richtig im Vergleich bewusst: Mit rund 3500 Quadratkilometern ist der Nationalpark fast vier Mal so groß wie beispielsweise Berlin.
Insgesamt bin ich 130 Kilometer gelaufen und habe mehrere Tausend Höhenmeter überwunden. Mir bleibt als Erinnerung eine abenteuerliche und unvergessliche Reise in den Norden unseres Kontinents.

Hardangervidda Nationalpark

Tag EINS von Haukeliseter nach Hellevassbu
21 Kilometer, 1210 Höhenmeter
Meine Tour führte mich durch den gebirgigeren Westteil der Hadangervidda. Sie begann am Südrand der Hochebene und endete in Finse – dem Norden der Bergensbanen. Über unzählige Bergkuppen und tiefe Täler wird die Landschaft durch ein beeindruckendes Bild der Eismassen des Hardangerjøkulen, Wasserfällen sowie dem höchsten Berg der Gegend, dem Hårteigen, geprägt.

Tag ZWEI von Hellevassbu nach Litlos
5 Kilometer, 790 Höhenmeter
Der folgende Tag verlief über einen alten Handelsweg, den Hardingslepa. Die Legenden besagen, dass Räuber und Banditen diesen Weg gerne nutzen, um Kaufleute und Viehhändler auszurauben und zu ermorden. Ganz so gefährlich ist die Tour heute nicht mehr. Totzdem waren alle froh, dass sie mich starken Wandergefährten dabei hatten.
Die riesigen Altschneefelder gehen bis tief in die naheliegenden Seen hinein. Hier boten sich auch Isomatten-Xtrem-Rodel-Battle an.


Tag DREI von Litlos nach Torehytten
16 Kilometer, 1000 Höhenmeter
An diesem Tag war das Ziel nicht zu übersehen. Der mit knapp 1700 Meter hohe Hårteigen erhebt sich mit seiner markanten hutförmigen Siloutte über sämtliche umliegende Berge. Eine markierte Route führt auf der Ostseite zum Gipfel hinauf. Den Aufstieg habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen (nun sollte ich also auch für den Mount Everest gewappnet sein).

Über Geröll klettert man durch eine steile Felsrinne dem Berg entgegen. Mit Seilen ging es über eine Felspassage hoch zum Gipfel. Hier hatten wir eine wunderbare Aussicht auf den Gebirgskamm Sandfloeggi, den Gletscher Solfonn im Süden sowie von weiter Ferne unserem Ziel, den Gletscher Hardangerjøkulen und die schneebedeckte Bergkette Hallingskarvet im Nordosten.

Tag VIER von Torehytten nach Hedlo
17 Kilometer, 1120 Höhenmeter
Dem Hårteigen den Rücken zugekehrt hatten wir von Suppen und Brot so langsam die Nase voll. Mehrere Stunden konzentrierten sich unsere Gespräche nun schon von Leckereien, die wir gerne zu uns genommen hätten. Dabei ist der Mangel an Essen noch das geringste Problem – die Katzenwäsche in den eiskalten Seen und Bächen toppen das Ess-Defizit um einiges. Wollen wir erst gar nicht von den anderen Dingen sprechen, die auf so einer Tour fehlen.

Wer sich – wie wir – Zeit sparen möchte, kann die Tour um einen Tag verkürzen (oder an den anderen Tagen weniger laufen) indem er durch die Erhöhung Falkabrotet läuft. Der Weg zog sich zwar durch die kleinen Anhöhen und dem Geröll des Smoygsdal ganz schön in die Länge – jedoch ist diese Abkürzung sicherlich eine gute (wenn auch recht unbekannte) Alternative.


Tag FÜNF von Hedlo nach Liseth
16,5 Kilometer, 1100 Höhenmeter
Unsere Route nach Liseth lief geradeaus, vorbei an Felsen, links am Strom Veig entlang. Hier sind wir vorbei an Wasserkaskaden des Fljoto runter ins Flojtdal. In einer der Selbstversorgungshütten haben wir uns belohnt. Mit Milchpulver, Milchreis, Nescafé Instantkaffee und einer Dose Fruchtcocktail für knapp 300 NOK – umgerechnet über 35 Euro – liesen wir unseren Abend ausklingen. Gut, dass uns der Milchreis auch direkt angebrannt ist und wir uns die unerwünschten Röstaromen als Karamell vorstellen mussten. Das Abendessen war trotz aufkommenden Brechreitz eine willkommende Abwechslung.

Tag SECHS von Liseth nach Rembesdalseter
17 Kilometer, 1650 Höhenmeter
Wir nähern uns meinem persönlichen Highlight. Die Gletscherzunge des riesiegen, von Eismassen überzogenen, Gletschers Hardangerjøkulen. Das Wetter meinte es am sechsten Tag jedoch nicht mehr ganz so gut mit uns. Während des Abstiegs am Fluss Helvtarai flossen kleine Rinnsale über die Steine, ideal für Moose, die die Felsen zu einer einzigen Rutschpartie machten. Zudem zertrampelten die gefühlt 100.000 Schafe den Pfad. Im Sumpfgebiet angekommen, suchten wir uns einen Felsvorsprung, der uns vor dem aufgezogenen Sturm schützte. Trotz des schlechten Wetters hatten wir eine gewohnt grandiose Aussicht.


Tag SIEBEN von Rembesdalseter nach Ramnabergnuten
15 Kilometer, 920 Höhenmeter
Vorbei an dem See Skykkjedalsvatnet meisterten wir den Aufstieg zur Erhebung Torkjelshogdi. Uns erwartete ein großartiger Blick in das schmale Simadal und den Fjord. Über 1000 Meter stürzen die Bergflanken steil in das u-förmige Trogtal, eines der typischen Gletschertäler.
Nördlich der Gletscherzunge Rembesdalsskåki liegen die Seen ovre, midtre und nedre Demmevatn. Am Gletscherstausee nedre Demmevatn werden die Eismassen aufgestaut – die Staumauer ist schon von weitem sehr gut erkennbar.
Oberhalb des Stausees liefen wir im ständigen Auf und Ab mit Geröll und massiven Felsbrocken der beeindruckenden Gletscherzunge entgegen. Der grandiose Ausblick des sogenannten Rembesdalsskåki auf dem Berg Moldnuten liegt der tiefgrüne See Rembesdalsvatnet zu füßen. Die Felsen unterhalb der Gletscherzunge bis hinuter zum See sind völlig rund geschliffen und haben teilweise tiefe Spurrillen. Woher ich das weiß? Ohne Hängebrücke mussten wir zu Fuß durch das Eiswasser stampfen. Wahnsinn!

Tag ACHT von Ramnabergnuten nach Finse | 10 Kilometer, 250 Höhenmeter
So langsam roch man sich selbst, die Füße schmerzten vom Laufen und der Magen knurrte ununterbrochen. Schön, dass die Abenteuer der letzten Tage noch nicht das Ende unserer Reise sein sollten. Bertha begann als Hurrikan vor der amerikanischen Ostküste und hatte sich die Nacht vom siebten auf den achten Tag ausgesucht, um bei uns am Zelt anzuklopfen. Die Folge: Stangenbrüche und Windböen von bis zu 120 Km/h. Es waren die mit Abstand anstrengendsten zehn Kilometer meines Lebens bis zu unserem Zielort Finse. Nach circa 8 Stunden erreichten wir aber schließlich – völlig erschöpft – die Endstation unserer Tour.